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Sonntag, 18. Dezember 2016

Was ich von einem Medizin-Professor über das Beten lernte



Foto: Saskia-Marjanna Schulz


Advent. Ich zünde die vierte Kerze an. Und denke an Menschen, mit denen ich mich verbunden fühle. So denke ich auch an Ordensschwestern, die ich besuche und die mir ans Herz gewachsen sind. Eine von ihnen hat eine Vorliebe fürs Häkeln. Handarbeiten ist ihre Leidenschaft. Als sie hörte, dass es Kinder in Rumänien gibt, die ohne warme Kleidung frieren müssen, öffnete sie ihr Laptop, drückte den YOUTUBE-Button und fand Häkelmuster für warme Kleidung. Seitdem häkelt sie in jeder freien Minute Mützen und Schals und anderes für die Kinder. Sie ist immer gut gelaunt und von tiefer Freude erfüllt – dass sie schon auf die 90 zugeht, kann ich ihr nicht ansehen.

Ähnlich ist es auch mit drei Schwestern aus einem anderen Kloster. Im letzten Advent habe ich sie noch bei einer Weihnachtsfeier tanzend gesehen.
Ich frage mich, warum diese und andere Ordensschwester so fröhlich sind, zumeist bei guter Gesundheit und auch mit 80+ noch nicht an die Rente denken. Sie stehen alle sehr früh auf, leben bescheiden und arbeiten reichlich. Aber das kann doch nicht das Geheimnis sein.

Wenn es ein Geheimnis gibt, dann vielleicht dieses: „Ich habe jetzt eine Studentin, die promoviert über die Heilung durch Beten!“ Sofort wurde ich hellhörig als ich diesen Satz eines Professors für Medizin an einer deutschen Universität hörte. Heilung durch Beten? Wie soll denn das gehen, fragte ich ihn. Und bekam einen Termin in seinem Büro.

Ich ging, wie verabredet, zu diesem Termin und liess mir das Forschungsdesign dieser Studentin zeigen. Damals war ich Mentorin einer Berliner Medizin-Studentin, ich hattee selbst Medizin-Soziologie studiert und an einem Medizin-Forschungsprojekt für die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mitgearbeitet. Doktor-Arbeiten in Medizin waren mir also vertraut. Und so war ich verwundert, dass hier der wissenschaftliche Nachweis erbracht wurde, dass BETEN eine intervenierende Variable im Gesundheitsverlauf sein kann.

Ich erinnere mich: Interviewt wurden BWL-Studenten. Gerade diese Zielgruppe gilt als besonders „kritisch“, so dass keine „Gefälligkeitsantworten“ zu erwarten waren. Untersucht wurde die Wirkung des Betens auf den Gesundheitsverlauf vor einer OP, nach einer OP sowie der weitere Krankheitsverlauf. Die Ergebnisse zeigten, dass die Probanden, die mit BETEN „behandelt“ wurden, vor der OP in einer besseren Verfassung waren als die Kontrollgruppe, weniger Narkosemittel benötigten, weniger Schmerzen hatten und schneller das Krankenhaus wieder verlassen konnten.

Ich sprach auch mit dieser Studentin. Sie berichtete, dass sie sich nach einem von ihr entwickelten Konzept an das Bett der Probanden setzt, betet, beobachtet und die Medikation auswertet.

Als Nachkommen einer rheinischen Pfarrersfamilie (Altgeld) war BETEN zwar kein Fremdwort für mich – aber so richtig daran geglaubt habe ich nicht. Das fing nun an sich zu ändern. Und erfreuliche Entwicklungen in meinem Leben, habe ich zukünftig nicht mehr nur als „Zufälle“ gesehen, sondern als das Ergebnis von Beten.

Beten heisst für mich: ein individuelles Gespräch mit Gott. Unabhängig davon, wo das Gespräch mit Gott stattfindet.

Von Konrad Adenauer, erster Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, heisst es bei einer Führung im Konrad-Adenauer-Haus in Rhöndorf bei Bonn, dass er stets vor dem Schlafengehen vor seinem Bett  auf den Knien gebetet habe. Geschichtslehrer haben das früher auch im Unterricht in den Schulen erzählt. Gerne mit dem Zusatz: Der Adenauer war ja ein alter Fuchs. Und der hätte das mit dem Beten bestimmt nicht getan, wenn er nicht davon überzeugt gewesen wäre: Beten hilft!

Mein Tag-Nacht-Buch by Lilli Cremer-Altgeld lillicremeraltgeld@t-online.de